Partner_innen

  • Prof. Mag. arch. Hubert Hermann

  • Mgr. inz. arch. Marijana Popovic

  • Dipl. Ing. Paul Rakosa

Mitarbeiter_innen

  • Ing. Peter Frank

  • Peter Fellner

  • M.A. Karsten Gerhardt

  • Dipl. Ing. Monika Jaroszkiewicz

  • Dipl. Ing. Gitta Lee

  • Mag. Birgit Oosthuizen-Noczil

  • Dipl. Ing. Delia Buta

  • B. Sc. Özlem Simsek

  • Arch. Dipl. Ing. Nicole Tanneberger

Philosophie

Sprechende Dinge
Eine Einordnung ihrer Bauten nach formalen Architekturströmungen ist nicht möglich und für die beiden Architekten auch unwichtig. Ihnen geht es vielmehr um gute, im wahrsten Sinn des Wortes eigentümliche Architektur, also um ein Bauen, das ebenso sensibel wie entschieden ist, ebenso kunstvoll wie bewusst, um Architektur schließlich, die Beeinträchtigungen in Tugenden und Schwierigkeiten in Charakteristika verwandeln kann. Ihre Gebäude wollen kein vorformuliertes Konzept realisieren und folgen keiner Ideologie, sondern versuchen, die Bedingungen des Lebens und eines Ortes auszuloten und zu verbessern. Solches Bauen schafft Identität. Diese findet bekanntlich immer dort statt, wo etwas so charakteristisch ist, dass es Eigenart hat. Beide Architekten sind kritisch gegenüber den Unorten, die unsere Gesellschaft allenthalben hervorbringt. Ihr Ziel im Bauen ist ein altmodisches: Harmonie und Schönheit.
„Schönheit ist, wenn die Dinge zu sprechen beginnen, wenn ein Dialog entsteht.“ (FV) Die Architekturkritikerin Amber Sayah hat es in ihrem Buch über HVP so ausgedrückt: „Wien bleibt prägend. Man merkt das auch daran, wie selbstverständlich ihre Wiener Bauten mit der Umgebung verschmelzen und wie exotisch sie dagegen in Luxemburg wirken.“ Ihre Bauten sind gegenüber früher reduzierter, wenngleich immer noch stark plastisch geformte Körper, deren Volumina aber aufgeschnitten und fragmentiert sind. Die Details haben an Emphase verloren und sind einfacher geworden. Außenräume sind nicht selten als erweiterte Innenräume konzipiert; Materialien, die sonst nur im Innenraum verwendet werden, werden von HVP gern außen eingesetzt; Rankgerüste, Paravents und Begrünungen betonen den Schichtencharakter ihrer Fassaden.

rational – emotional
Ein Architekturbüro mit mehreren Standorten ist nicht selten, ein Büro mit zwei so unterschiedlichen Partnern – der eine eher rational, der andere emotional –, die beide unterschiedliche Bauaufgaben an zwei so verschiedenen Orten wie Luxemburg und Wien realisieren, allerdings schon. In Wien liegt der Schwerpunkt des Büros auf großstädtischem Wohnungsbau, in der Auseinandersetzung mit historisch überformten Arealen und den neuen Stadtentwicklungsgebieten; im ländlichen Luxemburg reichen die Bauaufgaben von Verwaltungsbauten bis zu Schwimmbädern, von Jugendherbergen bis zu Banken, von Schulen bis zu Altenheimen und Einfamilienhäusern. In Wien verschmelzen die großen Baulösungen stärker mit der dicht verbauten Stadt, sie verlangen nach einem markanteren Profil und einer ausgeprägteren Identität als in Luxemburg, wo die Bauten von HVP schon durch ihre Farbigkeit, Zeichenhaftigkeit oder eine besondere Materialität im Kontext auffallen.

Entwerfer
Zwei Bürostandorte, zwei Partner, eine Entwurfsmethode. Die Voraussetzungen dafür wurden im Studium gelegt. Beide Architekten sind herausragende Zeichner und haben früher fast täglich über Zeichnungen und regelrechte Zeichentagebücher kommuniziert. Die Zeichnung gab die Antwort auf architektonische Vorhaben, nicht als flüchtige Skizze, sondern meist als farbig angelegtes Bild. Heute arbeiten beide konzeptueller, auch eigenständiger und unabhängiger voneinander, aber immer des anderen sicher. Bei der Fülle der Projekte, die beide Büros wahrnehmen, ist die tägliche Abstimmung weder möglich noch nötig. „Wir beide arbeiten unausgesprochen parallel“ (HH) und „kommunizieren schweigend miteinander wie ein altes Ehepaar.“ (FV) Die Ungeduld beider ist ein Garant dafür, dass das lange Miteinander schöne Sicherheit bleibt, aber nicht langweilige Routine wird.
Vor zehn Jahren konnte niemand unterscheiden, wer von beiden welche Zeichnungen angefertigt hatte. Das hat sich geändert: Die Unterschiede – Hubert Hermann ist vorwiegend Großstadt und Kopfmensch, François Valentiny eher bauchbetont und im ländlichen Raum zwischen Weinbergen und kleinen Dörfern
groß geworden – sind gewachsen. Beider Persönlichkeiten haben sich entwickelt. Hubert Hermann hat zusätzlich eine Professur in Leipzig angenommen und unterrichtet Architekturstudenten, François Valentiny hat erste Bühnenbilder entworfen und ist von der schnellen und phantasievollen Umsetzung seiner Zeichnungen in gebaute Theaterräume so begeistert, dass er diese Herausforderung in Zukunft häufiger suchen will. Beide bekennen sich zu ihrer Entwicklung: „Eigentlich sind so parallel zwei neue Leben entstanden, und dadurch haben wir beide ein bisschen Freiheit gewonnen.“

Die Frage danach, wie Architekten entwerfen, ist immer neu spannend, die Antworten sind immer anders. Die oft erzählten Geschichten von Skizzen auf Tischdecken und Servietten, die zu architektonischen Meisterwerken führten, darf man dabei getrost in die Sphäre der Legendenbildung verweisen. HVP gehen ihre Bauten keineswegs als Kunstwerke an. Sie fühlen und denken auch nicht in Bildern oder Formen, die dann über die Zeichnung zum gebauten Raum finden. Beide bestätigen, dass sie ihre Ideen nicht entwickeln, sondern die Ideen sie finden, so als öffne man „Schubladen, aus denen die Lösungen nur so herausquellen“. (FV) Für beide ist Entwerfen ein „schneller, selbstverständlicher Akt“ (HH), und das Zusammenbringen einer bestimmten Funktion – sei es als Einfamilienhaus oder als Bank – mit der skizzierten oder gezeichneten Idee eine einfache Sache. Als François Valentiny die Galerie Rackey Ende der Neunzigerjahre entwarf, stieß er bei der Detaillierung seiner Zeichnungen zufällig auf Skizzen aus den Siebzigerjahren, die seinen neueren Studien bis aufs Kleinste glichen. „Es ist, als hätte ich in meinem Inneren Archivräume mit Ideen, die ich nur aufschließen muss.“ Früher war es HVP in ihren Zeichnungen wichtig, zuerst Körper zu formulieren, während das spätere Material noch nicht ablesbar war. Heute, nachdem sich die Materialität der Bauten konsequent entwickelt hat und beiden „äußerst wichtig“ ist, geben auch die Zeichnungen – zum Beispiel durch massive dicke Kreideflächen und -striche, die man ankratzen und in die man Linien eingraben kann – Informationen darüber, in welchem Stoff ein Bau entstehen wird und wie seine Wirkung geplant ist. Auch sind die Zeichnungen keineswegs pauschaler angelegt als die späteren Bauten. Im Gegenteil enthalten sie häufig mehr Details und vielfältigere formale Ansätze als das fertige Haus.
Beide Architekten sind die Entwerfer des Büros. Ihre Teams arbeiten ihre Gedanken und Bilder in exakte Pläne aus. Und beide sind sich einig: „Entwerfen ist nicht demokratisch.“ Viele Architekten definieren sich über formale Richtungen, wie dies in den Anfängen von HVP auch der Fall war. Heute reflektiert ihre Architektur eine Haltung, die das Ergebnis eines langen Reifeprozesses ist. Gegenüber absoluten Urteilen in der Architektur oder vorgefassten Ideen sind beide Architekten misstrauisch geworden. Sie hängen keinen Theorien an, sie folgen vielmehr Picassos Einstellung, dass zählt, was man macht.

Zusammenklang von Unterschiedlichem
Der einzige Maßstab ist der der Qualität. Es gibt zunächst keine formale Lösung, kein Material oder eine Farbe, die irgendwo falsch wären. Es kommt immer auf das Wie der Lösung an. Beide Architekten haben im Lauf ihrer Entwicklung ihre Ziele gefunden: die Notwendigkeit der Körperhaftigkeit ihrer Bauten, deren Schichtung, die Materialität, den Bezug zum Ort und die Entwicklung aus dem Kontext heraus, die Wichtigkeit von Atmosphäre. Wo diese Gegebenheiten optimal erfüllt sind, kann man beim Ergebnis von Schönheit sprechen. Schönheit ist dabei mehr als richtiger Maßstab und gute Proportionen. Schönheit hat nichts mit Perfektion zu tun. Wenn ein Haus oder ein Raum schön sind, so ist damit nichts Eindeutiges gemeint, sondern ein Ineinandergreifen von Einzelelementen und ein Zusammenklang von Unterschiedlichem.
Schön bezieht sich nicht nur auf Formen und Gestaltung, sondern auch auf ein Stück erlebter Freiheit dessen, der von schön spricht. Das Schöne in der Architektur und die Güte eines Raumes sind nicht nur abhängig von Stilen, Techniken, Materialien, Inhalten und Nutzungen, sondern auch von Anschauungsreichtum und Denkfreiheit. Hermann Hesse beschrieb das einmal so: „Alles Lebendige ist ein Werden, nicht ein Sein. So ist auch das, was wir Kultur nennen, nichts Festes oder Abgeschlossenes, das man erben … oder … wegwerfen kann. Sondern es bleibt genauso viel von unserer Kultur lebendig und wirkt weiter, als die Generationen sich zu eigen machen und lebendig zu machen verstehen.“
HVP nennen als Ziel ihres Bauens das Eingehen des Gebäudes auf den Kontext. Ein guter Bau leitet seine Gestalt immer aus der Umgebung ab, aus ihren Proportionen, Formen, Materialien. Er passt sich nicht an, kann sich aber einordnen, auch wenn er sich als Kontrast versteht. In einer solchen Architektur verdichten sich Erinnerungen und Erfahrungen. Nur das Schöpfen an Anregungen aus dem Bestand ist allerdings zu wenig, um einen guten Bau zu schaffen. Das Aroma der Gegenwart muss dazukommen und die Auseinandersetzung mit der Welt. Peter Zumthor beschrieb diesen Prozess so: „Ich konzentriere mich auf einen bestimmten Ort, für den ich zu entwerfen habe, ich versuche ihn auszuloten, seine Gestalt, seine Geschichte und seine sinnlichen Eigenschaften zu begreifen. Und dann beginnen in diesen Prozess des analytischen Schauens Bilder von anderen Orten einzudringen, die ich kenne, die mich einmal beeindruckt haben, von Orten, deren Gestalt ich als Inbild bestimmter Stimmungen in mir trage. Erst wenn ich das So-Seiende mit dem Anders-Seienden ansehe, wenn ich in den konkreten Ort einstrahlen lasse, was diesem ähnlich oder gänzlich fremd ist, entsteht dieses vielschichtige und eigenartige Tiefenschauen des Lokalen, das Bezüge freilegt, Kräftelinien erkennen lässt und Bindungen aufbaut.“
Die Fülle neuer Projekte von HVP bringt es mit sich, dass sie den eigenen Bauten häufig begegnen. In der Großstadt Wien sind ihre Häuser in der Dichte der städtischen Bebauung zwangsläufig einem viel größeren Druck ausgesetzt, sich zu behaupten. Im kleinen Luxemburg dagegen wird man mit ihnen und damit dem eigenen Tun auf Schritt und Tritt konfrontiert. Man erkennt in ihnen die eigene Entwicklung wie bei einem Blick in den Spiegel. Karljosef Schattner, der langjährige Diözesanbaumeister von Eichstätt, beschrieb es einmal so: „Es gibt kein besseres Gefühl. Ich sah mich ständig von mir selbst umarmt.“ François Valentiny drückt es anders aus: „Vor zehn Jahren war das noch ein Problem. Ich stand meinen Bauten kritisch gegenüber und habe versucht, sie zu übersehen. Heute akzeptiere ich sie als mein Leben. Wo ein neuer Bau entsteht, ist es für mich wie in einem erweiterten Büro. Ich habe Fehler akzeptieren gelernt und kann mich über einen guten Bau täglich freuen. Ich versuche Bauten so zu realisieren, dass ein handwerklicher Ausrutscher oder auch eine untergeordnete formale Entscheidung eine kraftvolle Struktur nicht beeinträchtigen.“
Wie wir uns fühlen, ob gut, schlecht, fröhlich oder gespannt, Architektur beeinflusst uns bei allem, was wir tun. Solcher Einfluss ist nicht direkt planbar, aber vorhanden. Da Architektur Spiel- und Lebensraum für Menschen ist, ist es die Aufgabe des Architekten, für die messbaren und unmessbaren Wünsche und Sehnsüchte des Menschen zu planen und zu bauen. Der Architekt plant aber nicht nur Funktionen wie Wohnen und Arbeiten, sondern auch Räume zum Spielen und Träumen. Architektonischen Raum nehmen wir mit unseren Sinnen wahr. Es gibt Räume, die erdrücken, klein machen, es gibt andere, die fröhlich stimmen, die einen stützen, stolz machen, wachsen lassen. Die Forderung, dass gute Architektur folglich sinnlich zu sein habe, liegt deshalb nahe. HVP suchen in ihren Bauten den visuellen und haptischen Gegensatz. Ihre Materialien alternieren zwischen weich und hart, kühl und warm, glänzend und stumpf, glatt und rau; hell wird häufig mit dunkel konfrontiert. Sie konfrontieren den Menschen mit sinnlichen Erfahrungen.

Material
Das wesentliche Merkmal von Bauten, die als sinnlich erlebt werden, ist das Material, aus dem sie gebaut sind. Eines der Charakteristika, an denen man viele HVP-Bauten erkennen kann, ist ein Beton, der nach dem Ausschalen beschlagen und aufgeraut wird. Die sägeraue Bretterschalung führt zu unregelmäßigen Wülsten, die als horizontale oder vertikale Gliederung genutzt werden, im Innenraum wie im Außenraum,
als Sockel, als Bänder. Dieses ungewöhnliche Material, das handwerklich ruppig wirkt, nimmt jedem Bau das Neue und Glatte. Die ungleichen Ausbuchtungen werfen Schatten und das grobkörnige Material reflektiert die Sonne. Zusammen mit hellbraunen Okuméplatten, einem anderen Kennzeichen der Bauten von HVP, das oft von innen nach außen gezogen ist, kommt es zu einer sehr speziellen Materialwirkung. Und wenn die Betonoberfläche dann noch schwarz eingefärbt wird, dann ist die Wirkung erdhaft faszinierend. Erstmals hatten HVP diese Art der schwarzen Betonstruktur 1993–95 für das Gemeindehaus in Bech-Kleinmacher gewählt, wo Gegensatz und Fremdheit zu den vorhandenen Bauten des Ortes durch die außergewöhnliche Farbe und die schroffe Oberfläche bewusst akzentuiert wurden. Wie unterschiedlich sich dieses Material einsetzen lässt, zeigt die beinahe elliptisch geschwungene, transparente Gerüstwand, die die Architekten in den Hof der ehemaligen Brotfabrik in Wien gestellt haben. Sie besteht aus schwarzen, gegossenen Betonteilen mit einer grobkörnigen horizontalen Kannelierung und wirkt wie eine durchlässige zweite Hoffassade – eine ebenso einfache wie intelligente Lösung.
Ein klassischer weißer Bau beziehungsweise die derzeit so häufigen Glas-Stahl-Bauten altern schwer. Überhaupt ist die Frage des schönen Alterns in unserer Zeit des Jugendwahnes, wo Gebäude möglichst lang neu und frisch wirken sollen, eine schwierige. Altern können ist aber ein Qualitätsmerkmal guter Architektur und keinesfalls ein Makel. Die Bauten von HVP sollen Leben und Zeit reflektieren und insofern soll ihre Haut ähnlich den Falten im Gesicht eines Menschen sich verändern und Patina ansetzen können und dürfen. Die Architekten fürchten nicht Spuren und Verwitterung, sie suchen sie vielmehr. Wenn das Blech ihrer Dächer die Farbe wechselt, wenn Putz rissig wird, wenn sich Schlieren bilden, wenn Beton sich dunkel färbt, dann ist das für sie kein Grund, nach einer Reparatur zu verlangen. Selbst wenn sich Gras und Pflanzen auf einem Dach oder an einer Fassade ansiedeln, werden sie eher freundlich beobachtet als sofort mit Stumpf und Stiel ausgerissen. „Was unperfekt ist, ist echt und dadurch liebenswürdig.“ (FV)

Farbe
Das Weiß der Moderne stand für einen Neuanfang, für Reinheit, für Abstraktheit in der Architektur. Bei HVP dürfen die Bauten farbig leuchten, in sattem Schwarz, das nie nur schwarz ist, sondern in Abstufungen von Grau auftritt, in strahlendem Rot, das sich besonders schön mit dem Hellgrau des Betons verbindet. Ob im Innenraum der Congresshalle von Saarbrücken oder an der Grundschule in Lallange – HVP sind couragierte Farbliebhaber und Farbgeber. Sie bevorzugen klare, ungebrochene Farbtöne, die sie mit leichter Hand gegeneinander setzen und miteinander kombinieren. Farben gliedern auch die unterschiedlichen Baukörper auf dem Gebiet des ehemaligen Kabelwerkes in Wien und helfen, das eindrucksvolle Neubaugebiet übersichtlicher zu ordnen. Wohnungsbau ist vielleicht die wichtigste Bauaufgabe eines Architekten. Eine Wohnung ist Rückzugsmöglichkeit und Heim. Aber die große gestalterische Geste ist dort, wo der Mensch Heimat sucht, eher fehl am Platz. Gute Wohnräume sind vielmehr geprägt von Angemessenheit, Selbstverständlichkeit und Gelassenheit, von Sorgfalt und Vielfalt. Sie lassen die Seele atmen und den Menschen sich wohl fühlen. In den zahlreichen Einfamilienhäusern, die HVP realisiert haben, ist solches einfacher zu bauen als in Mietwohnungen. Wo der Bauherr eine Person mit Gesicht und Namen ist, der seine Wünsche persönlich formuliert, kann man sich auch über außergewöhnliche Konstruktionen wie bei dem Doppelhaus Marxen oder dem Einfamilienhaus Hirtt verständigen. Bei den großen Wohnprojekten in Wien sind die späteren Nutzer anonym. In der Regel haben die Architekten hier nicht die Bauaufsicht; die exakte Umsetzung bis ins Detail der Planung verlangt dem Architekten viel (unbezahltes) Engagement ab. „Da muss man mit totalem Körpereinsatz arbeiten, um anfänglich gute Ideen, die verloren zu gehen drohen, zu erhalten und durchzusetzen.“ (HH) Weil eine extravagante Form im Mietwohnungsbau selten eine Chance hat, werden Materialität, Farbe und Atmosphäre umso wichtiger. „Man muss im Wohnungsbau ungemein flexibel sein. Gute Ideen sind schwer durchzusetzen, manchmal muss man regelrechte Tauschgeschäfte machen, irgendwo nachgeben und dafür anderswo, wo es wirklich darauf ankommt, hart bleiben.“ (HH) Das Wiener Büro von HVP ist über Wohnungsbauprojekte groß geworden.

Licht
Jede ästhetische Erfahrung ist abhängig vom anschaulichen Begreifen eines Gegenstandes. Ästhetische Erfahrung ist eine Form des äußeren Erlebens, in der die Aufmerksamkeit sich auf sinnliche Erscheinungsformen richtet. Eine dieser Erscheinungsformen ist das Licht, ein substanzloser und flüchtiger Baustoff. HVP sind dabei, Bauen mit Licht für sich zu entdecken, und zwar mit Licht als integrativem Bestandteil der Architektur. Es geht ihnen nicht um schnelle und grelle Lichtlösungen, die oberflächlich bleiben und ermüdend sind. Vielmehr sind sie um eine optimale Zusammenführung von Raum und Licht bemüht. Raumschichten, Gitter und Paravents, wie sie für viele Bauten von HVP typisch sind, filtern das Tageslicht und verlängern seinen Weg in das Innere eines Baus. Das intime Licht der Galerie Rackey in Bad Honnef bekam 2003 den vom Deutschen Architektur Museum und der Messe Frankfurt ausgelobten Licht- und Architektur-Preis. Die elegante Commerzbank auf dem Kirchberg ist ein gutes Beispiel für den raffinierten Einsatz von Tagesund Kunstlicht und den Glanz und den Widerschein beider auf den schönen Materialien des Atriums und des Foyers. Eine sorgfältige Effektbeleuchtung bei Nacht rhythmisiert die Fassade in ihrer Tiefe und hebt die Grenze zwischen innen und außen auf.

Kontrast
Ein ganz eigenes Kapitel, das bei HVP zunehmend an Wichtigkeit gewinnt, ist neues Bauen in alter Umgebung. Bauen in historisch gewachsenem Kontext oder in nächster Nachbarschaft zu alter Bausubstanz ist immer eine besondere Aufgabe. Sie bedarf der Rücksicht, der Sensibilität und der Phantasie. Der beste Neubau in alter Umgebung ist ja keineswegs der ein oder angepasste. Nicht selten braucht es die wirkliche Konfrontation des Alten mit zeitgenössischer Architektur, um ein Ensemble wirklich attraktiv zu machen, um beides – das Alte wie das Neue – neu bewerten zu lernen und in seiner Qualität bewusst werden zu lassen. HVP gehören zu denen, die den Kontrast suchen, gleichzeitig aber auch das vorhandene Alte mit Achtung akzeptieren und behandeln. Wer der alten Brotfabrik in Wien gegenübersteht, sieht einen Altbau in bestem Zustand. Innen allerdings ist die frühere Großbäckerei ein modernes Bürohaus, das jedoch von den ursprünglichen Räumen atmosphärisch profitiert. Die frühere Raumhöhe wurde für unterschiedlich große und hohe Büroeinheiten genutzt, eine vorbildliche Transformation, die den Nutzer täglich freut. Der vielleicht beste Bau des Büros der letzten Jahre ist der Umbau und die Umwidmung des ehemaligen Schlosses Heisdorf in ein Altenheim. Vorbildlich die Modernisierung des Altbaus, mutig die Konfrontation des Barockensembles durch kantige, aber lebendige Neubauten aus schwarzem Beton mit rauen Wülsten, jeder Wulst eine Schattenkante. Das kraftvolle neue Ensemble ist ein qualitativer Schritt in eine neue Bau-Dimension. HVP sind auf einem spannenden, eigenständigen Weg. Und die Richtung könnte durch ein Wort Mies van der Rohes beschrieben werden: „Architektur hat nichts zu tun mit der Erfindung von Form. Architektur ist der wahre Kampfplatz des Geistes.“