Areal Kabelwerk, Wien

Städtebau

  • Die Neunutzung des ehemaligen Industriestandortes in Wien-Meidling zu einem urbanen Stadtteilzentrum gilt als international anerkanntes Pilotprojekt. Es entstand hier ein neuer Stadtteil auf einem alten Industrieareal, einem Werk zur Kabel- und Drahterzeugung, das 1997 geschlossen wurde. Das Quartier umfasst an die 1000 Wohneinheiten, ein Hotel, ein Ärztehaus, ein Geriatriezentrums, einen Kindergarten, diverse soziale Einrichtungen, Büros, Lokale und Geschäfte. Ein kulturelles Zentrum ist im einzigen Altbestand untergebracht.

    Dem städtebaulichen Ideenwettbewerb lag eine anspruchsvolle Programmatik zugrunde: es ging um eine spezifische Interpretation des besonderen Ortes. Dabei wurde eine unverwechselbare kontextuelle Lösung gewünscht, in dem die Industriegeschichte spürbar bleibt und in dem zwischen der angrenzenden Gründerzeitbebauung und der ebenfalls angrenzenden offenen Bebauung räumlich vermittelt wird. Dafür wurde ein sehr aufwendiges und komplexes Verfahren eingeleitet, das im europäischen Vergleich sicher einzigartig ist. Im Lauf des Entwicklungsprozesses gab es wichtige Etappen: workshopartige Seminare, die der Vorbereitung des städtebaulichen Wettbewerbs dienten, der Wettbewerb selbst, die einjährige Arbeit an Testprojekten; erst dann wurde ans eigentliche Bauen gedacht.

    Der Stadtteil Kabelwerk zeigt, wie auch ohne Rückgriff auf die Konvention große Dichten bewältigt werden können, wie man ohne Abstands- und „Restgrün“ auskommt und auf welche Weise ein charaktervoller, eigenwilliger und einladender Ort in einen schwierigen Kontext geschaffen werden kann. Es ist sicher ein urbanes Quartier, teilweise auch mit sehr hohen Dichten. Das Besondere ist, dass hier umgekehrt zur gängigen Praxis gedacht wurde. Am Anfang waren nicht die verwertbaren Kubaturen, am Anfang war ein – durchaus urbanes – Wege- und Platzsystem, waren Freiflächen, denen „Baufelder“ zugeordnet wurden. Auf diesen Baufeldern konnten die Architekten in Zusammenarbeit mit den Behördenvertretern und den Bauträgern ihre Entwürfe ziemlich frei entwickeln.

Informationen

Städtebaulicher Wettbewerb - 2004
(Ankauf)

Otto Wager Städtebaupreis - 2004
Umsetzung des Bebauungsplans durch ein Kooperatives Verfahren („Architektengruppe Kabelwerk“)
Federführendes Büro für die Umsetzung des Gesamtprojektes
Koordination des EG bzw. der Sockelbereiche sowie der Tief- und Hochgarage
Umsetzung der Bauteile D, J, K und Gleisdreieck in den Jahren 2007 - 2014

Gesamtfläche des Planungsgebietes:
11,3 ha

Architektengruppe Kabelwerk:
Hermann & Valentiny & Partner
(Bauteile D-Nord, J, K, Gleisdreieck),
Mascha & Seethaler (A, D-Süd, E),
pool Architektur ZT GmbH (B, F),
Schwalm-Theiss & Gressenbauer ZT GmbH©,
Werkstatt Wien + Holnsteiner & CO (X, Y, Z)